Konzertrückblick: Nine Inch Nails startet neue Tour in St. Paul

Berichte über die Weichheit von Trent Reznor sind stark übertrieben.

Die Gottheit des Industrial Rock kündigte 2009 an, dass seine Nine Inch Nails nicht mehr auf Tour gehen würden. Inzwischen hat er geheiratet, zwei Söhne gezeugt, einen Oscar gewonnen (für den Soundtrack zu 'Social Network') und mit seiner Frau eine neue Band gegründet. Im Herbst veröffentlichte er dann NINs erstes Album seit fünf Jahren, 'Hesitation Marks', das eher ängstliche Electronica als bedrohliches Industrial ist.

Aber die Eröffnungsnacht von NINs Tension 2013 Tour Samstag im Xcel Energy Center war eine belebende, wenn auch nicht unbedingt befriedigende Mischung aus kunstvollem Lärm, düsterer Ballade, Disco-Funk, modernster Beleuchtung und mittelalterlicher Angst. Mit 48 Jahren bringt der intensive, aber zentriertere Reznor nicht das gleiche slit-your-wrist-arrrghhhh in seine Leistung wie in seinen 20ern und 30ern. Tatsächlich sagte er während der zweistündigen Aufführung viele Male höflich „Danke“ und entschuldigte sich für ein paar Schnappschüsse am Eröffnungsabend. Er verlor fast die Geduld, als er viermal bitten musste, das Bühnenlicht anzuschalten, damit er die Band vorstellen konnte.

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Einige der Musiker – darunter Bassist Pino Palladino, der mit The Who und John Mayer auf Tour war, und NINs allererste Backup-Sängerinnen Lisa Fischer (die Rolling Stones) und Sharlotte Gibson (Whitney Houston, Rod Stewart, Avenged Sevenfold) – machten ihr Bühnendebüt mit NIN. Und Reznor selbst spielte zum ersten Mal live sechs Songs von 'Hesitation Marks'; NIN war diesen Sommer bei mehreren Festivals in Europa und den USA mit einer etwas anderen Band aufgetreten.

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Das 24-Song-Set hätte von mehr Proben (mehr technische als musikalische Probleme), besserem Tempo und der Aufnahme von NINs größtem Hit 'Closer' profitieren können, der normalerweise die Schlussnummer in diesem Sommer war. Aber dann hatte die St. Paul-Show eine organischere Atmosphäre als die anderen Twin Cities-Auftritte von NIN in diesem Jahrhundert.

Die Hände um das Mikrofon geballt, der Bizeps prallte hervor und der Schweiß rann ihm übers Gesicht, kam Reznor brüllend zum X heraus. Die Deckenbeleuchtung hängte tief herab, um es so aussehen zu lassen, als würde die Band in einem Club mit einer 3-Fuß-Decke auftreten, NIN eröffnet mit dem Thrash und Pochen von 'Copy of A' vom neuen Album und dem Elektroschock von '1.000.000' von 'The Slip' von 2008. Kurz darauf erinnerte der pulverisierende 'March of the Pigs' die fast 12.000 Zuschauer an die Blütezeit von NIN Mitte der 90er Jahre.

Aber der Schwung verlangsamte sich mit dem neuen Disco-Funk „All Time Low“, der den Tiefpunkt der Nacht darstellte. Andere neue Nummern – darunter „Came Back Haunted“ mit seiner David Bowie-ähnlichen Prahlerei und die stimmungsvolle Ballade „While I'm Still Here“ – hatten live mehr Wirkung als auf Platte. Zehn Tracks von 'Hesitation Marks' waren enthalten, obwohl Reznor das Album nie eingesteckt hat.



Zur Freude des Publikums bot die Zielgerade alte Favoriten, darunter den Elektro-Stomp „Wish“, „Only“ mit seinen nervösen Rhythmen, „The Hand That Feeds“ mit seiner Bazooka-hallenden Brutalität und den Headbanger-Hit „Head Like“. ein Loch.' Dann wurde Reznor, der die Bühne mit brodelnder Energie, aber ohne die beängstigende Gefahr von früher, gepirscht hatte, bei „Even Deeper“ künstlerisch und erlaubte Fischer, ein überirdisches Gurren zu entfesseln, das sich in einen Schrei aufbaute.

NIN ist immer groß auf Bühnennebel- und Stroboskoplichtern und setzt seit langem auf den kreativen Einsatz modernster Beleuchtung. Am Samstag schien die Band zwischen verschiedenen LED-Lichtvorhängen aufzutreten, auf die faszinierende Muster und Farbkombinationen projiziert wurden.

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Die Erkenntnis aus Reznors Rückkehr auf die Bühne ist, dass er weder ein am Rande der Verrückter noch ein Midlife-Softy mehr ist. Vielmehr ist er wie Bowie ein Mann mit Bild und Ton, der mit seinen Gefühlen in Kontakt ist und eine oft hypnotisierende, emotionale Musikcollage liefert, ergänzt durch meisterhafte, innovative Lichter.