2006 Nobelpreisträger Pamuk wegen Beleidigung des Führers ermittelt

ANKARA, Türkei – Die schwedische Akademie, die die Literaturnobelpreisträger auswählt, sagte am Montag, sie folge dem Verfahren gegen den türkischen Nobelpreisträger Orhan Pamuk, gegen den wegen angeblicher Beleidigung des Gründers der modernen Türkei in seinem neuesten Roman ermittelt wird.

In einer kurzen Erklärung sagte die Schwedische Akademie, sie erwarte von der Türkei, dass sie ihre internationalen Verpflichtungen einhalte und dass sie die „Behandlung“ überwacht, die Pamuk – die 2006 den Literaturpreis gewann – im Land erhalte.

Die türkischen Behörden haben Anfang des Jahres eine Untersuchung gegen Pamuk eingeleitet, nachdem ein Anwalt aus Izmir in der Westtürkei behauptet hatte, der Autor habe den Gründer der Türkei Mustafa Kemal Atatürk in seinem neuesten Roman 'Nächte der Pest' beleidigt. Der Anwalt behauptete, dass Passagen des Romans gegen Gesetze verstoßen, die Atatürks Andenken schützen.

Die Ermittlungen führten zunächst zu einer Entscheidung, keine Anklage zu erheben, aber der Anwalt legte gegen die Entscheidung Berufung ein und die Untersuchung wurde wieder aufgenommen.

Pamuk und sein Verlag Yapi Kredi Yayincilik weisen Behauptungen zurück, der Roman beleidige Atatürk.

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'In den 'Nächten der Pest', an denen ich fünf Jahre lang gearbeitet habe, gibt es keine Respektlosigkeit gegenüber den heldenhaften Gründern der Nationalstaaten', zitierte die Nachrichten-Website Bianet Pamuk. 'Im Gegenteil, der Roman wurde mit Respekt und Bewunderung für diese libertären und heroischen Führer geschrieben.'

Die Türken verehren noch immer Atatürk, der nach dem Ersten Weltkrieg die moderne Türkei aus der Asche des Osmanischen Reiches schnitzte.



Vor der Verleihung des Nobelpreises stand Pamuk in der Türkei wegen „Beleidigung des Türkentums“ vor Gericht, nachdem er einer Schweizer Zeitung erzählt hatte, dass Anfang des 20. Jahrhunderts 1 Million Armenier auf türkischem Territorium getötet wurden.

Historiker schätzen, dass in den letzten Tagen des Osmanischen Reiches bis zu 1,5 Millionen Armenier von osmanischen Türken getötet wurden, was allgemein als erster Völkermord des 20. Jahrhunderts gilt.

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Während die Türkei zugibt, dass in dieser Zeit viele Menschen gestorben sind, lehnt das Land den Begriff Völkermord ab und sagt, die Zahl der Todesopfer sei überhöht und die Todesfälle seien auf zivile Unruhen während des Zusammenbruchs des Osmanischen Reiches zurückzuführen.

Der Prozess gegen Pamuk wurde später aus technischen Gründen eingestellt.